Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken – er ist kein medizinischer Ratschlag. Für eine Diagnose oder Behandlung sprich mit einem Arzt.
Hast du jemals das Gefühl gehabt, dass du beim Lernen doppelt so viel Mühe gibst wie andere, nur um am Ende ähnliche Ergebnisse zu erzielen? Wenn du mit ADHS zu tun hast, ist das vielleicht nicht nur ein Gefühl. Menschen mit ADHS müssen oft doppelt so hart ackern, nur um mithalten zu können. Es kann dir auch Angst und Stress machen und dich an deiner Intelligenz zweifeln lassen. Aber warum ist das so?
Warum macht ADHS das Lernen schwieriger?
Wichtig ist zu verstehen, warum ADHS zusätzliche Herausforderungen beim Lernen mit sich bringt. Obwohl sich ADHS bei jedem anders äußert, kämpfen die meisten Studierenden mit ADHS mit bestimmten Aspekten des Lernprozesses [1]. Diese Herausforderungen zu erkennen, kann dein Kompass werden, der dich leitet und dir hilft, deine Lernroutinen zu verfeinern und, was noch wichtiger ist, wieder Freude am Lernen zu finden.
Konzentrationsschwierigkeiten und Interessenverlust
Lernen erfordert fast immer Akribie und anhaltende Konzentration. Zweifellos können Menschen mit ADHS eine intensive Konzentration zeigen, wenn sie sich für etwas begeistern (Stichwort: Hyperfokus!). Aber beim Lernen musst du oft mit langwierigen, sich wiederholenden oder schlichtweg langweiligen Aufgaben umgehen, die dich nicht interessieren. Dann wird es durch das interessenbasierte Nervensystem, das Menschen mit ADHS eigen ist, schwierig. Die Notwendigkeit, sich auf weniger fesselnde Aufgaben zu konzentrieren, wird zu einer einzigartigen Hürde im Lernprozess.
Schlechtes Zeitmanagement und Prokrastination
ADHS kann dein Zeitgefühl durcheinanderbringen, daher kann es schwierig sein, den Zeitaufwand für Aufgaben richtig einzuschätzen oder dringende Aufgaben vor angenehmeren zu priorisieren. Studierende mit ADHS neigen möglicherweise dazu, den Nervenkitzel des Arbeitens unter Druck zu suchen und warten oft bis zur letzten Minute, bevor sie ihre Aufgaben angehen. Mal ehrlich – wir wissen, dass du das kennst: die Nacht vor einer Deadline durchpowern.
Gedächtnisprobleme
Viele Studierende haben Schwierigkeiten, Lernmaterialien, Stundenpläne oder Termine zu behalten. Leider leiden Menschen mit ADHS häufiger unter Defiziten im Arbeitsgedächtnis, was diese häufige Herausforderung zusätzlich erschwert [2].
Aber entspann dich: ADHS zu haben bedeutet nicht zwangsläufig, dass du grundsätzlich schlecht im Lernen bist, noch deutet es auf mangelnde Intelligenz hin. Menschen mit ADHS zeigen oft außergewöhnliche Intelligenz und machen beeindruckende akademische Karrieren.

Lerntipps für Menschen mit ADHS
Es gibt nicht die eine beste Art, mit ADHS zu lernen, aber es gibt Möglichkeiten, einige dieser Bereiche der exekutiven Funktionen zu verbessern. Hier sind einige Lerntipps für Menschen mit ADHS, die genau die Game-Changer sein könnten, die du brauchst.
Plane, bevor du dich in die Arbeit stürzt
Wenn Menschen mit ADHS eine neue Aufgabe bekommen, stürzen sie sich vielleicht sofort hinein, ohne richtig zu analysieren, was sie tun müssen, und sind dann schnell überfordert oder verlieren im Gegenteil ihre Konzentration und ihr Interesse.
Wenn du dich dabei ertappst, kannst du einen anderen Ansatz versuchen. Bevor du an deiner Aufgabe arbeitest, hol deinen Planer raus, setze eine Deadline und erstelle einen grundlegenden Zeitplan. Markiere die Aufgaben, die deine sofortige Aufmerksamkeit erfordern oder wahrscheinlich zeitaufwendig sind. Vergiss nicht, dass viele mobile Apps dir helfen können, deine Aktivitäten und Fortschritte zu verfolgen und dich an anstehende Aufgaben zu erinnern.
Während der Arbeit an deinem Projekt schau dir deinen Zeitplan von Zeit zu Zeit an, um dich daran zu erinnern, was als Nächstes ansteht. Denk jedoch daran, dass dein Zeitplan ein hilfreiches Werkzeug sein sollte, keine zusätzliche Stressquelle. Passe ihn an, verfeinere ihn und mach ihn so, dass er für dich funktioniert.
Integriere regelmäßige körperliche Bewegung
Es mag so aussehen, als hätte Sport nichts mit dem Lernen zu tun, aber es gibt eindeutige Beweise [3], dass körperliche Aktivität die kognitiven Funktionen von Menschen mit ADHS positiv beeinflusst. Jede aerobe Übung, sei es ein Spaziergang, Schwimmen, Joggen oder eine Radtour, kann Wunder wirken. Wähle also, was am besten zu dir passt.
Keine Sorge, wenn du dich nicht als „sportlich“ bezeichnest und Laufen dich sogar abschreckt. Du musst nicht gleich zum Leistungssportler werden. Treppensteigen statt Aufzugfahren, kurze Spaziergänge oder Dehnübungen in den Pausen – all diese einfachen Aktivitäten können deine Gehirnleistung und dein allgemeines Wohlbefinden steigern.
Prokrastination in den Griff bekommen
Viele Menschen neigen zur Prokrastination, aber mit ADHS ist man oft etwas anfälliger dafür [4]. Prokrastination kann viele Gründe haben, aber das Ergebnis bleibt dasselbe – sie verlangsamt deinen Lernfortschritt und fügt eine unnötige Schicht aus Schuldgefühlen und Angst hinzu.
Für die Momente, in denen der Beginn von Aufgaben wie ein harter Kampf gegen die Prokrastination anfühlt, kannst du versuchen, die Bühne vorzubereiten, indem du alles, was du für die Aufgabe brauchst, im Voraus organisierst und deine Arbeit in kleinere Aufgaben unterteilst, die nicht so überwältigend wirken.
Reden wir mal über Ablenkungen. Prokrastination kann auch durch Kleinigkeiten entstehen, die dich bei der Arbeit ablenken. Versuche deshalb, die Anzahl der Unterbrechungen zu begrenzen, die deine Aufmerksamkeit abziehen könnten. Schalte die Social-Media-Benachrichtigungen auf deinem Handy aus und lass die Leute um dich herum wissen, dass du etwas Ruhe brauchst. Es ist Zeit, der Prokrastination die rote Karte zu zeigen und die Kontrolle über deinen Lernprozess zurückzugewinnen.
Sorge für zusätzliche Motivation
Mit ADHS ist es oft schwierig, einen Lernplan einzuhalten, besonders wenn dir die nötige Motivation fehlt. Hier kommen Belohnungen ins Spiel. Überlege, dir eine kleine Belohnung zu versprechen – vielleicht einen Schokoriegel –, wenn du den schwierigen Teil einer Aufgabe erledigt hast. Alternativ kannst du dir sagen, dass du eine Folge deiner Lieblingsserie schauen darfst, nachdem du eine Stunde lang ungestört gelernt hast. Auch wenn diese Belohnungen klein erscheinen mögen, können sie effektive Motivatoren sein, die dein Interesse aufrechterhalten und den Lernweg spannender gestalten.
Achte auf dich selbst
Ununterbrochen über längere Zeiträume zu lernen, ohne Pausen einzulegen, funktioniert für Menschen mit ADHS nicht so gut wie für viele „Normies“. Pausen zu machen und dir Zeit zum Entspannen zu gönnen, ist nicht nur ein Luxus; es kann dich vor Burnout bewahren und deinem Gehirn den nötigen Freiraum geben, um das Gelernte zu verarbeiten.
Achte darauf, dass du genug Schlaf bekommst. Auch wenn das generell ein guter Ratschlag ist, ist ausreichend Schlaf besonders wichtig für deinen Lernprozess. Schlafmangel kann nicht nur deine Konzentration negativ beeinflussen, sondern auch dein Kurzzeitgedächtnis. Ja, genau das, das du zum Lernen brauchst. Zögere also nicht, ein Nickerchen zu machen, wenn dein Körper danach verlangt.

Lerne kreativ
Intelligenter zu lernen bedeutet nicht unbedingt, mehr Stunden am Schreibtisch zu verbringen. Manchmal geht es darum, ein bisschen strategisch zu „schummeln“. Wie das geht? Stichwort: multimodales Lernen – dabei beziehst du deine anderen Sinne beim Lernen mit ein [5]. Ob du Lesen durch Audiokurse ersetzt, beim Notizenmachen kritzelst oder Mindmaps nutzt – es gibt Dutzende von Wegen, die Konzentration aufrechtzuerhalten und Informationen leichter aufzunehmen. Das Experimentieren und Kombinieren verschiedener multimodaler Lernmethoden kann dir helfen, deine einzigartige Mischung zu finden und deine Lernroutine von einem Kampf in ein lustiges Lernabenteuer zu verwandeln.
Lass dir von anderen helfen
Dein Lernweg muss keine Solo-Expedition sein, nimm ruhig andere Leute mit ins Boot. Der Austausch mit anderen vertieft nicht nur dein Engagement für anspruchsvolle Themen, sondern kann auch deine Motivation steigern. Du kannst deine Erfahrungen und Schwierigkeiten mit anderen teilen und vielleicht sogar jemandem unter die Arme greifen, der wegen seines ADHS ebenfalls Probleme beim Lernen hat.
Dieses Bedürfnis nach Verbindung und Austausch mit Gleichgesinnten ist der Grund, warum wir Numo entwickelt haben – deine zentrale Anlaufstelle für alles rund um ADHS.
Unsere App hat zwar Funktionen in Hülle und Fülle – vom bereits erwähnten Planer bis zum Geräuschgenerator –, aber was sie wirklich auszeichnet, sind unsere Squads und Tribes. Das sind die Treffpunkte, wo du andere ADHSler alles fragen kannst, was dein Herz begehrt, inklusive Lerntipps.
Wer weiß, vielleicht wird ja einer von ihnen dein Body Double und bringt deine Lernfähigkeiten auf ein neues Level.
Fazit
Auch wenn ADHS deinen Lernprozess etwas herausfordernder gestalten kann, bedeutet das nicht, dass du hoffnungslos bist. Wenn du akzeptierst, dass dein Gehirn auf einzigartige Weise funktioniert, und ein paar einfache Tipps beherzigst, kann das Lernen mit ADHS einfacher und weniger angstauslösend werden. Kleine Anpassungen an deinen gewohnten Lernroutinen und das Experimentieren mit neuen Methoden können zu erheblichen Verbesserungen führen.
Quellen
1 Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health. Difficulties faced by university students with self-reported symptoms of attention-deficit hyperactivity disorder: a qualitative study.
2 Journal of Clinical and Experimental Neuropsychology. Clinical correlates of working memory deficits in youth with and without ADHD: A controlled study
3 Borderline Personal Disord Emot Dysregul. Physical exercise in attention deficit hyperactivity disorder – evidence and implications for the treatment of borderline personality disorder
4 International Journal of Methods in Psychiatric Research. The relation between procrastination and symptoms of attention‐deficit hyperactivity disorder (ADHD) in undergraduate students
5 Scientific Reports. Enhanced Learning through Multimodal Training: Evidence from a Comprehensive Cognitive, Physical Fitness, and Neuroscience Intervention


