Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken — nicht als medizinischer Rat. Für eine Diagnose oder Behandlung sprich mit einem Arzt.
Mit ADHS zu leben ist ein verrücktes Abenteuer, und der verrückte Teil beginnt schon, wenn du versuchst, zu verstehen, was in deinem Kopf vor sich geht.
Normalerweise, bevor du eine ADHS-Diagnose erhältst und herausgefunden wird, wie viel Behandlung du benötigst, lassen Ärzt:innen dich eine Reihe psychologischer und physischer Untersuchungen und Tests durchlaufen. Doch Fehldiagnosen sind leider keine Seltenheit. Daher suchen Mediziner:innen nach anderen Methoden, um ADHS präzise zu diagnostizieren.
Aufgrund der neurobiologischen Natur von ADHS haben Forschende in den letzten Jahrzehnten verschiedene Hirnscan-Techniken erforscht, um die Besonderheiten der Gehirne von Menschen mit ADHS zu erkunden.
Wir alle reden gerne darüber, wie das ADHS-Gehirn anders funktioniert als ein „normales“ Gehirn. Aber wie genau?
Tauchen wir ein in die faszinierende Welt der Hirnscans und sehen wir, wie sie die Dinge aufmischen!
Heute tauchen wir gemeinsam ein und erfahren alles über Themen wie:
- Was ist ein Hirnscan überhaupt?
- Zeigt sich ADHS auf MRTs oder anderen Scans auf greifbare Weise?
- Können Hirnscans uns etwas Sinnvolles über ADHS verraten?
Und vieles mehr!
Na dann, legen wir los!
Was ist ein Hirnscan und was kann er uns zeigen?
In der dynamischen Welt der Neurowissenschaften sind verschiedene Hirnscan-Methoden zu unverzichtbaren Instrumenten in Forschung und Diagnostik für diverse neurologische Erkrankungen geworden. Jede Methode bietet eine einzigartige Perspektive, durch die die Komplexität des Gehirns enthüllt wird. Einige dieser Methoden können Tumore, Hirnanomalien, Schwellungen oder Blutungen effektiv lokalisieren, andere wiederum die Hirnaktivität verfolgen.
Es ist also kein Wunder, dass einige Methoden in der ADHS-Forschung häufiger zum Einsatz kommen. Zu den wichtigsten Akteuren gehören diese drei:
Computertomographie (CT); Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT); Positronen-Emissions-Tomographie (PET).
Die CT kombiniert eine Reihe von Röntgenbildern, die aus verschiedenen Winkeln deines Gehirns aufgenommen werden. Sie liefert viel detailliertere Informationen über dein Gehirn als eine herkömmliche Röntgenaufnahme. CT-Scans können strukturelle Veränderungen im Gehirn aufzeigen, was für Forschende, die die Auswirkungen von ADHS-Medikamenten untersuchen, hilfreich sein kann.
Die fMRT ist die am weitesten verbreitete Bildgebungsmethode in der aktuellen psychiatrischen Forschung (1). Diese Methode erfasst Veränderungen des Blutflusses und des Sauerstoffgehalts im Gehirn, um die Hirnaktivität sichtbar zu machen. Sie ist eine sichere und vielversprechende Methode der Hirnbildgebung und ermöglicht es medizinischen Wissenschaftler:innen, die neurobiologischen Mechanismen hinter ADHS zu verstehen.

Ähnlich wie die fMRT können auch PET-Scans Bereiche höherer Hirnaktivität erkennen. Doch anstatt den Sauerstoffgehalt zu verfolgen, verwendet die PET einen radioaktiven Tracer, der sich an Glukose in deinem Blut bindet. Je mehr Glukose in einen bestimmten Teil des Gehirns gelangt, desto mehr Aktivität findet dort statt. So können Forschende, ähnlich wie bei der fMRT, die Hirnfunktion von Menschen mit und ohne ADHS mit dieser Methode vergleichen.
Neben diesen bekannten Methoden gibt es weitere Techniken wie die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS), die die Sauerstoffsättigung deines Gehirns überwacht, die Magnetoenzephalographie (MEG), die das Magnetfeld der elektrischen Neuronenaktivität misst, die Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie (SPECT), die Voxel-basierte Morphometrie (VBM) und viele andere komplizierte Abkürzungen, auf die wir in diesem Artikel nicht näher eingehen werden. Diese bilden zusammen das ausgeklügelte Instrumentarium, das Forschende einsetzen, um die Geheimnisse des menschlichen Gehirns zu entschlüsseln.
Kann man anhand eines Hirnscans erkennen, ob jemand ADHS hat?
Angesichts der Vielfalt der verschiedenen Hirnbildgebungsmethoden könnten einige eine eindeutige Diagnose ermöglichen. Doch leider ist das (noch) nicht der Fall. Ich weiß, das ist ein kleiner Dämpfer.
Der Einsatz von Hirnscans zur Analyse der Gehirne von Menschen mit ADHS und anderen neurologischen Entwicklungsstörungen ist eine relativ neue Praxis. Und er wird selten für klinische Diagnosen verwendet. Das liegt aber nicht nur an der Neuheit der Methode und dem Mangel an Forschung.
Das Problem ist, dass die Hirnbildgebungsmethoden ihre Grenzen haben: Sie sind nicht empfindlich genug, um in Einzelfällen präzise zu sein, und sie können nicht wirklich helfen, ADHS von anderen Erkrankungen zu unterscheiden. Diese Scans sind noch nicht standardisiert und für den breiten klinischen Einsatz in der ADHS-Diagnostik zugelassen.
Das bedeutet aber nicht, dass die Hirnbildgebung keine Hoffnung hat, eine der primären Methoden zur Diagnose neurologischer Entwicklungsstörungen wie ADHS zu werden. Viele Wissenschaftler:innen glauben, dass der Einsatz von Hirnscans bei der Analyse der psychischen Gesundheit viel Potenzial birgt. Sie haben sogar einen Begriff für diese klinische Praxis geprägt: Psychoradiologie. Er ist noch nicht offiziell anerkannt, aber er klingt ziemlich cool.
Aber zurück zu den Hirnscans von Menschen mit ADHS – können sie uns auf irgendeine Weise nützlich sein? Lass uns das mal genauer unter die Lupe nehmen, oder?

Was können uns Hirnscans über ADHS verraten?
Es gibt also einige faszinierende Forschungsergebnisse, die darauf hindeuten, dass ADHS mit strukturellen Unterschieden im Gehirn zusammenhängen könnte, und dieser Unterschied kann auf Hirnscans entdeckt werden.
Forschende, die die Gehirne von Jugendlichen mit ADHS mithilfe von VBM untersuchten, haben herausgefunden, dass mehrere Hirnregionen bei Jugendlichen mit ADHS im Vergleich zu denen ohne ADHS abnormal kleiner sind. Es stellte sich heraus, dass Menschen mit ADHS ein etwas geringeres Volumen an grauer Substanz im anterioren Cingulum (2) haben.
Jetzt denkst du vielleicht: „Super! Bald können Ärzt:innen einfach meine graue Substanz ansehen und ADHS diagnostizieren.“ Nun, nicht so schnell. So einfach ist das nicht.
Eine andere Studie untersuchte die Unterschiede zwischen den Gehirnen von Kindern mit neu diagnostiziertem und unbehandeltem ADHS und gesunden Kindern gleichen Alters, indem sie deren MRT-Scans des Gehirns mit einem unerwarteten Ansatz analysierte. Es wurden keine signifikanten Abweichungen im Volumen der grauen oder weißen Substanz gefunden.
Diese Studie ist aufgrund einer weiteren Entdeckung erwähnenswert. Sie zeigte, dass Kinder mit ADHS Veränderungen in der Form von drei Hirnregionen aufwiesen – dem linken Temporallappen, dem bilateralen Cuneus und Bereichen um die linke Zentralfurche (3). Darüber hinaus zeigten die Scans auch Unterschiede zwischen verschiedenen ADHS-Subtypen. Dies ist ein sehr vielversprechender Befund, da er Kinder mit ADHS mit einer Genauigkeit von 74 Prozent von gesunden Kontrollkindern und den unaufmerksamen ADHS-Subtyp mit einer Genauigkeit von 80 Prozent vom kombinierten ADHS-Subtyp unterschied.
Solche Forschungen zeigen, wie der Einsatz von Hirnscan-Methoden bei der Untersuchung von Patient:innen, die ADHS haben könnten, die Diagnosegenauigkeit verbessern kann. Außerdem kann es helfen, ADHS früher zu diagnostizieren, damit Psychiater:innen früher eine angemessene Behandlung beginnen können.

Aber das ist noch nicht alles, wofür diese Scans gut sind. Die Hirnscans können uns helfen zu verstehen, wie ADHS-Medikamente unser Gehirn beeinflussen und bestehende ADHS-Behandlungen verbessern können. Das ist bereits geschehen. Forschende entdeckten, dass Methylphenidat, ein häufig verschriebenes Stimulans bei ADHS, Veränderungen in der weißen Substanz des Gehirns von Kindern auslösen kann (4). Bereits vier Monate Methylphenidat-Behandlung führten zu Veränderungen in der Verteilung der weißen Substanz, weshalb die Forschenden ihre Bedenken hinsichtlich möglicher Langzeitwirkungen der Methylphenidat-Behandlung äußerten und Ärzt:innen dringend dazu anhielten, es nur bei absoluter Notwendigkeit zu verschreiben.
Das Fazit? Wissenschaftler:innen kratzen erst an der Oberfläche der vielen Möglichkeiten, Hirnscans bei der Diagnose und Behandlung von ADHS einzusetzen, und es wird noch viel mehr Forschung folgen.
Fazit
Auch wenn verschiedene Hirnscan-Techniken und -Methoden schon seit Ewigkeiten existieren, ist ihr Einsatz bei der Diagnose von ADHS noch relativ neu und mit Herausforderungen und Einschränkungen behaftet. Doch während die Bildgebungssysteme sich weiterentwickeln, mit der Zeit immer ausgefeilter, empfindlicher und präziser werden und Forschende weitere Studien abschließen – besteht die Chance auf einen großen Wandel. Wir könnten einen transformativen Moment erleben, in dem MRT und andere Hirnscan-Methoden in nicht allzu ferner Zukunft zu den primären Werkzeugen für die Diagnose von ADHS werden.
Aber wenn du denkst, dass du ADHS haben könntest, brauchst du nicht Jahrzehnte darauf zu warten, dass Wissenschaftler:innen einen super coolen und genauen Hirnscan entwickeln, der deine Vermutungen bestätigt oder widerlegt. Keine Sorge, mein:e Freund:in! Du kannst damit beginnen, unsere kleine, unterhaltsame Adaption eines Tests auszufüllen, der ursprünglich von den klugen Köpfen der Harvard Medical School, der New York University Medical School und der Weltgesundheitsorganisation entwickelt wurde, und prüfen, ob deine Symptome zu ADHS passen. Es mag nicht so spektakulär sein wie ein MRT und wird dir keine konkrete Diagnose liefern, aber es ist ein solider erster Schritt. Betrachte es als dein Eintrittsticket, um die wunderbaren Eigenheiten deines einzigartigen und schönen Gehirns zu entschlüsseln. Lass das Abenteuer beginnen!
Quellen
Europe PMC Founders. Funktionelle Magnetresonanztomographie bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): eine systematische Literaturübersicht
Journal of Attention Disorders. Regionale Unterschiede im Volumen der grauen Substanz zwischen Jugendlichen mit ADHS und typisch entwickelten Kontrollen: Weitere Hinweise auf die Beteiligung des anterioren Cingulums
Journal of Radiology. Psychoradiologische Nützlichkeit der MR-Bildgebung zur Diagnose der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Eine Radiomics-Analyse
Radiology. Weiße Substanz mittels Diffusions-MRT nach Methylphenidat-Behandlung: Eine randomisierte kontrollierte Studie an Männern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung


